Samstag, 27. September 2008

ASR - Achillessehnenruptur

Ich bin "relativ" jung (27J.) hatte noch nie Schwierigkeiten mit meinen Beinen, Knien, Achillessehne etc. Ich mache jetzt seit 2 Jahren wieder regelmäßig Taekwondo (koreanischer Kampfsport) 3 - 4 Tage die Woche. Am 23.8.2008 riss mir nach einer Stunde Kampftraining beim "Steppen" mit der Absicht eines schnellen und kräftigen Kicks die Achillessehne. Naja, das übliche, lauter Knall, gestürzt, umgedreht - keiner hinter mir und irgendwie das Gefühl beim absetzen des Fußes das man nach vorne umkippt. Bin dann ins Krankenhaus in die Notaufnahme und überprüfen zu lassen was es ist, wobei mir schon vorher klar war das die AS gerissen sein muss. Hatte eigentlich gedacht das sowas weh tut (kennt man sonst nur aus Hollywood-Filmen, und da schreien die immer extrem). Der Arzt in der Notaufnahme den Thomson-Test bei mir gemacht und es tat sich nix. Also sollte ich noch mal zum Ultraschall und Röntgen, da bei mir weder was geschwollen noch ein blauer Fleck zu sehen war. Ergebnis war dann nach anschauen der gesunden Seite (wohl zum abgleich) das die AS gerissen war. Naja, zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch...naja, creme rauf und Bandage ran und 2 - 3 Wochen ausruhen, weil ist ja innerlich...tja, denkste...jeden Tag lernt man was dazu. Nun gut, nach dem der Arzt mir erklärt hat das ich 2 Möglichkeiten habe...OP und oder oder konspirativ, hatte ich mich gleich für eine OP entschieden, da er meinte das ich noch relativ jung bin und wenn ich den Sport weitermachen möchte, würde ich wohl um eine OP nicht Drumherum kommen. Na gut...Gips bekommen und dann ab nach Hause. 4 Tage später wurde ich auch schon operiert. Kam auf Station an (der Arzt in der Unfallannahme sagte mir noch ich muss in die Fleischerei – also dahin wo die Leute gerne schneiden) und musste erst mal 2 Stunden warten bis ein Bett frei ist. Nun gut, im Zimmer angekommen, konnte ich dann noch zwei weitere Stunden warten bis es losging. Bekam als mein Krankenhaushemdchen mit der Anweisung ich solle alles ausziehen und mich dann ins Bett legen. Auf die Frage ob ich meine Boxershorts anlassen könne, wurde mir erklärt, dass im Falle einer Komplikation man überall schnell rankommen müsste. Klingt logisch, aber auf die Frage bei welcher Komplikation man an meinen Hintern oder mein Genital müsse, wurde mir gesagt, dass wenn die Schwester es nicht merkt könne ich meine Shorts anlassen, aber die Kette mit dem Kreuz (Glücksbringer) muss ab. Okay, und ab ging es zur Narkose hinunter in die Etage mit den OP-Räumen – kalt, unbehaglich, naja, das Gebäude stammt noch aus Kommunistischen Zeiten, da haben die sowieso nicht soviel von Design gehalten. Bin ja auch nicht da zum Wohntipps holen. Angekommen in Vorraum des OP-Saals, also wo es die Narkose gibt, waren da zu meiner Verwunderung relativ viele junge Leute meines Alters. Nichts das ich was gegen Lernen und Studieren habe, studiere ja selbst noch, allerdings bitte nicht an mir rumprobieren. Der Narkose Arzt merkte wohl schon meine Beunruhigung durch das ständige fragen meinerseits was welche Person hier macht und ob er noch Student/in ist. Ein Student werde ich nie vergessen, also er mir antworte das er fast fertig ist (vorletztes Semester) und ich ihn fragte ob er wenigstens gut im Studium sei, meinte er das es ja nicht so wichtig ist wie die Zensuren ist. Haha Atze. Egal der Anästhesist meinte er legt mir den Zugang und schon war das Ding schon in meiner Vene. Ab ging es in den OP. Eigentlich wollten die das ja perkutan (glaube das heißt so...also Spitzfußstellung und dann durch die Haut fixieren und dann in den Vacoped) Nähen, dann haben die Ärzte aber den Gips abgenommen und unter dem Gips hat sich wohl ein großes Hämatom gebildet. Daraufhin entschieden Sie sich eine offene OP durchzuführen. Naja, ich war ja schon in Vollnarkose. Irgendwann nach 4 Stunden wurde ich dann bisschen von irgendjemand im Aufwachraum geweckt und gefragt, wie es mir geht. Noch völlig benommen meinte ich nur genervt, dass wer auch immer mich nervt gehen soll, denn ich bin müde und will schlafen (hatte die Nacht davor nicht geschlafen). Ok, aufgewacht und immer noch völlig benommen und gleich mal den Knopf gedrückt und gejammert das der Arzt kommen muss und ich solche Schmerzen habe. Der Arzt kam und ich berichte ihm lallend von meinen Schmerzen vorne im Schienenbein, wobei er meinte, dass das ganz normal sei, wegen der Spitzfußstellung. Naja, hab ich ihm mal geglaubt und dann kam auch schon das Abendbrot, ich hatte einen Hunger, kaum zu glauben, zwar hatte ich 17 Std. nix mehr gegessen, allerdings kommt das bei mir öfter vor. Runter geschlungen und dann weiter geschlafen bis zum nächsten Morgen als unlieb die Tür aufflog und das Licht angemacht wurde. Schon kamen zwei Krankenpflegerinnen rein und drückten mir eine Spritze Fraxiparin 0,4 in den Bauch. Aber anstatt das ich weiter schlafen konnte wurde mir gesagt das gleich Visite ist. Hmm, so früh, naja gut, mal gucken was die Ärzte so sagen. Bald darauf kamen Sie auch schon, Oberarzt, Assistenz-Ärzte und Studenten (tja, Universitätskrankenhaus). Durch fragen vor der OP wusste ich schon wer mich operiert und durch eine Bekannte, welche in der Abteilung arbeitet und alle Ärzte von Schulungen, Seminaren und Weiterbildungen. Diese Bestätigte mir dann auch das ich Glück habe das ich den Arzt habe und der wirklich operieren kann und auch tut! Der Oberarzt war super nett, sagte nett Hallo und gab mir die Hand und fragte nach meinem Befinden. Also bis auf leichte Schmerzen die eigentlich ständig mit Schmerztropfen (zum Schlafen gab es dann auch noch mal eine Tablette Tramal – dann haben die Schwestern auch weniger nachts zu tun) unterdrückt wurden konnte ich nichts beanstanden. Sofort packten zwei Ärzte mein rechtes Bein aus dem Vacoped – oh mein Gott – getrocknete Blutläufer, grüne und blaue Flecken, Verfärbungen vom Jod und ein weißes Pflaster auf meiner Achillesferse bestätigen mir das der Eingriff vollzogen war. Der Operierende Arzt erklärte mir dann dass sich ein Hämatom gebildet hatte und sie deshalb aufgeschnitten haben. Die Sehnenenden lagen weit auseinander und waren teilweise völlig ausgefranst waren. Aber es wurde alles zusammengebunden und vernäht und das ich jetzt nur warten müsse bis es völlig geheilt ist – so knapp 300 – 500 Tage brauch wohl eine Achillessehne bis zur vollständigen Heilung. Hmm, was mach ich denn nun mit meinem Training, die Taekwondo Hochschulmeisterschaften konnte ich sowieso vergessen aber das ist ja ungefähr ein Jahr. Aufregen bringt ja auch nichts. So schnell wie Sie kam waren Sie auch wieder weg – gibt ja noch mehr Patienten und die nächste Golfpartie des Oberarztes war angesichts des guten Wetters auch in greifbarer Nähe. Was sollten Sie mir auch ewig erklären, dauert halt und muss ruhig und erhöht liegen. Nach dem Frühstück kam dann in mir das Gefühl hoch, ich müsse eine Zigarette rauchen, die letzte lag ja auch schon ziemlich lange zurück – also eigentlich war die genau 20 min vor der OP. Blöderweise wollte ich ja aufhören und hab mir deshalb gar keine mehr mitgebracht und im Krankenhaus gab es auch keine zu kaufen – blöde „neue“ Verordnung. Zum Glück gibt es ja Bettnachbarn und in der Chirurgie sind die alle recht jung. Hmm, aber wie jetzt runter kommen? Wenn ich mich aus der horizontalen in die vertikale bringe, hab ich immer das Gefühl das mein Bein gleich platzt – was wohl völlig normal sei wegen der kaputten Blutgefäße. Aber der Besuch lies ja nicht lange auf sich warten, zum Glück gibt’s ja Handy bzw. SMS womit man ganz gut einen Bestellzettel an seine Freunde, Familie etc. verschicken kann. Wie komme ich denn nun aber runter?!? Hmm, ich bin in einem Krankenhaus, dann wird’s ja auch hier irgendwo Rollstühle geben. Einen Freund von mir, der glücklicher Weise an dem Tag eine weiße Hose und ein weißes T-Shirt anhatte, auf die Frauenstation geschickt und einen Rollstuhl holen lassen. Problem gelöst – und bis zur Entlassung mobil. Also konnte ich ab diesem Tage mich halbwegs gut bewegen, die Krücken hab ich mir aufgehoben dann für das Zivilleben.
Am Mittwoch wurde ich dann nach der Visite entlassen. Super, da hat man 20 min zeit irgendjemanden zu finden der Mittwochvormittag nicht arbeiten ist und ein Auto hat. Zum Glück jemanden erreicht, der beides hatte – Auto & Zeit. Also Sachen packen, mittlerweile ging das auch mit dem schießenden Blut ganz gut. Bein runter halten bis es weh tut und dann sobald der Schmerz einsetzt wieder hochheben. Drei bis vier Mal gemacht und schon konnte ich auf einem Bein durch das Zimmer hüpfen. Schnell noch bisschen gefrühstückt und die Karte für den nächsten Tag für den nächsten Patienten ausgefüllt – hehehe – durch Überschneidungen der Zeiten etc. füllt der Gehende für den Nächsten die Karte aus. Ach ja, also ich wusste das nicht als ich die Essenskarte das erste Mal ausgefüllt habe. Es gibt da ja verschiedene Menüs mit Abkürzungen und man hat da Essenslisten und dann habe ich mir halt was bestellt was sich sehr lecker angehört hat. Blöderweise wusste ich nicht was der Zusatz „passiert“ bedeutet, also eher gesagt was das im Krankenhaus im Zusammenhang mit einer Mahlzeit zu tun hat. Es passiert ja nicht alle Tage das man dort ist und zu meiner Verwunderung kam alles breiig – also passiert ist für Leute ohne Zähne bzw. die nicht kauen dürfen. Zum Glück hatte die Schwester ein Essen über, welches ich dann bekam. Zu meinem Bedauern kam auch noch eine Schwester rein und nahm meinen Rollstuhl, weil der wohl für jemand anderen benötigt wurde. Nun gut, noch mal den Klingelknopf gedrückt und eine Krankenschwester-Azubine meine Sporttasche sowie Laptoptasche in Handgedrückt und dann Ihr hinterher gehumpelt ins Wartezimmer. Leider war mein „Abholer“ nicht der schnellste. Glücklicherweise hat die Schwester mit gedacht und stellte meine Taschen direkt an das Fenster und rückte auch gleich den Stuhl weg vom Tisch, so dass ich mich gleich setzen konnte – dummerweise schien die Sonne direkt auf mich. Weg hüpfen konnte ich ja, aber wie kriege ich die Taschen woanders hin?! Naja, sitzen und ausharren, musste auch nur eine Stunde da in der Sonne verweilen, da kam schon der „Express-Shuttle-Dienst“ –hehehe- nee, bin froh das mich überhaupt jemand abholen konnte. Runter gehüpft und noch eine gequalmt und dann weiter gehüpft bis zur Straße (wer hat nur damals den Komplex geplant – komisch das man als Patient erst mal 50m mit Treppe zurücklegen muss um ins Krankenhaus zu kommen – tz). Jammern hilft ja nicht. Also Krücken in die Hand und ab zur Straße rein ins Auto und ab zum Orthopäden/Sportmediziner und erst mal Krankschreiben lassen und dieses Heparin bzw. Fraxiparin verschreiben lassen. Angekommen beim Sportarzt aufatmen. Es gibt einen Fahrstuhl – Klasse, endlich mal jemand der sich Gedanken gemacht hat – nun gut, wir sind ja auch in Lichterfelde/Zehlendorf, also doch schon gehobene Wohngegend. Durch eine Freundin, welche in der Praxis arbeitet musste ich auch nicht mal lange warten. Rein zum Arzt, den Arztbrief übergeben und hingesetzt. Auch der Arzt bestätigte mir wieder, dass der operierende Arzt wohl einer der besten von Berlin sei. Hmm, wenn das stimmt bin ich ja beruhigt, da ich auch weiterhin zur Nachuntersuchung bei dem Arzt erscheinen muss in der Poliklinik der Charité. Der Orthopäde schaute noch mal schnell über meinen Fuß und tastete diesen kurz ab und meinte Fäden ziehen könne ja in der Charité dann gemacht werden. Er sagte mir er möchte mich in 14 Tagen nochmal sehen und verschrieb mir das Fraxiparin. Am 09.09.2008 war dann mein Termin in der Poliklinik. Bisschen schwer zu finden allerdings möglich. Chirurgie im 1.Stock – Fahrstuhl ;) Oben angekommen an der Anmeldung habe ich dann meinen Terminzettel vorgelegt worauf ich wieder gefragt wurde, ob das Richtig sei, weil eigentlich macht mein Arzt nicht solche OP’s, da sowas anscheinend zu simple ist. Hab mich wieder gefreut und hüpfte dann auch gleich in ein Behandlungszimmer. Vacoped ab und auf den Bauch gelegt. Der Arzt kam auch gleich und fragte mich wie es mir geht. Mittlerweile war die OP auch 13 Tage her, so dass ich keinerlei Schmerzen habe und der Fuß nur noch ein bisschen geschwollen war. Hatte zu dem Zeitpunkt schon das Gefühl einfach diese komische Orthese auszuziehen und aus dem Raum rauszulaufen. Der Arzt riet mir allerdings dringend davon ab und meinte ich soll lieber froh sein das ich jetzt schon keinerlei Schmerzen etc. habe. Die Wunde sieht auch sehr gut aus, so dass er die Fäden zog. Davor hatte ich ja ein bisschen mulmiges Gefühl wenn da die Fäden gezogen werden, allerdings hab ich das nicht mal gemerkt. Fraglich ob das wieder ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. Pflaster rauf und meinen „Klotz am Bein“ wieder ran und ab nach Hause zu meinen Eltern…Ja, mit so einer Gehbehinderung ist man ja kaum in der Lage sich selbst zu verpflegen…wer will das auch schon, wenn er 3 Mahlzeiten pro Tag sowie das Kopfkissen ausgeschüttelt bekommt. Mittlerweile war ich nochmal beim Arzt, allein schon wegen der Heparin-Spritzen, dieser meinte mir auch wie schon zuvor der Krankenhausarzt, das der Vacoped Schuh insgesamt 9 Wochen an meinem Bein (24h) bleiben muss, wobei ich nach der 6. Woche die Verstellung, bereits wie nach den ersten 3 Wochen, auf weitere -15° herab stellen darf und dann schon bei der Stellung von 0° das Bein voll belasten, allerdings nur mit Schuh. Der weitere Fahrplan sieht aus, das ich ab der 6 Wochen Krankgymnastik und danach Reha bekomme um die Beweglichkeit sowie Muskulatur wieder auf den Normalstand bringen zu können. Ach ja, ganz wichtig, ich muss ja wieder laufen lernen können. Mal schauen wie sich das entwickelt und wie schnell ich wieder Auto fahren kann. Also werde ich in den nächsten Tagen mal meinen Sportmediziner besuchen und lass mir Krankengymnastik verschreiben lassen sowie die Krankenkasse anrufen, welche mir eine Kostenübernahme schicken soll für meine Reha.
Alles Weitere kommt mit der Zeit, wobei sich das Bein wieder ziemlich fit anfühlt, was aber anscheinend nach Meinung der Ärzte unmöglich sei und weshalb ich auch am 1. Oktober 2008 einen MRT Termin habe. Aus Kostengründen kann ich leider nicht beide Beine untersuchen lassen, obwohl ich jetzt auch durch dieses auf einem Bein durch die Wohnung springen so ein leichtes ziehen letztens in der linken Achillessehne gehabt habe. Mal schauen, ob der Arzt wenigstens eine Sonografie macht, wenn ich es ihm erzähle.